Wahnsinn 2.0

und die Frage: Was treibt mich eigentlich an?

Klausurwochen, Bewerbungsphase, Kindergarten zu, Schulkinder zu Hause – Homeschooling da wären wir wieder – Yeah.

So viele Gedanken die pausenlos kreisen. Inmitten diesen Chaos auch noch eloquente Bewerbungsgespräche führen und Lebensweg-Entscheidungen treffen.

Kann mal bitte jemand kurz Pause drücken?


Unlängst wurde ich in einem Bewerbungsgespräch gefragt, was mich antreibt, mir zusätzlich zur Familie “diese Dinge” (gemeint war die Fortführung des Studiums in der Corona-Krise) aufzuladen. Unweigerlich machten meine Gedanken einen kleinen Ausflug:

01:45 Uhr nach einem langen Tag, bin ich endlich auf dem Weg ins Bett. Bei meiner jüngsten brennt noch Licht, vorsichtig stecke ich den Kopf durch die Tür. Sie ist noch wach.

„Mama, ich glaube vor Corona war alles schöner.“ sagt sie ganz verzweifelt, als ich zu ihr ins Bett krabbele und dann bricht schluchzend „Ich weiß es aber nicht, ich kann mich gar nicht mehr erinnern.“ aus ihr hervor.

Etwas überfordert von dieser tiefen Verzweiflung, die mir entgegenschlägt, versuche ich sie zu trösten. Erkläre ihr, dass wir es fast geschafft haben, es bald vorbei sei nun da es endlich eine Impfung gibt. Aber sie ist untröstlich. Ungläubig und wütend starrt sie mich einen Moment an, eh sie mich fast schon anschreit:

„Das kannst du gar nicht wissen! Niemand kann das wissen!“


KLATSCH – Hört ihr die Ohrfeige schallen? Seht ihr mein Herz zerspringen?

Da war er, der Moment, indem meine Tochter zum ersten Mal erkannte, dass ich nicht allwissend bin und nicht immer ihre Heldin sein kann. Danke Corona.

Diesem Moment folgen noch Weitere im Laufe der Jahre, bis wir dann irgendwann von Superman oder Wonderwoman zu einem ganz normalen Menschen geschrumpft sind. Ganz normaler Lauf der Dinge, vermutlich kann ich mich schon glücklich schätzen, wenn ich meinen Kindern am Ende nicht völlig egal sein werde.

Dennoch, bei aller Normalität tut dieser erste Moment besonders weh – Beiden. Ich kann mich bei allen Dreien genau daran erinnern. An die fassungslose Ungläubigkeit in ihrem Blick und auch an den Schmerz in ihrem Gesichtsausdruck, den das Erkennen, dass Mama es diesmal nicht richten kann mit sich brachte.

Wenn es schwierig wird, ich nicht mehr kann, oder mich manchmal verzweifelt frage „Warum mach ich das eigentlich?“ sehe ich diese Gesichter wie Fotos vor meinem inneren Auge.

Vielleicht kann ich keine Heldin sein, vielleicht noch nicht mal ein Vorbild. Aber ich kann definitiv jemand sein, von dem meine Kinder am Ende wissen, dass ich immer alles gegeben habe.

Dieser Gedanke treibt mich auch jetzt an. Die Kinder brauchen jetzt einen Fels, auch wenn ich mich momentan manchmal mehr fühle wie durchgerührter Wackelpudding.

Wenn ich jetzt die Fahne sinken ließe, wie sollten die Kinder dann noch weiter machen?
Und wie verpacke ich das denn jetzt in eine adäquate Antwort?

Eure Nea


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