2020 – Das hätten wir so nicht gebraucht, oder?

Rückblick auf ein ganz anderes Jahr


Was für ein besch*** Jahr denke ich im ersten Moment. Doch war es das wirklich? Gab es nicht auch ein paar gute Dinge? Ich meine abgesehen von Januar und Februar?


Die längst überfällige Digitalisierung ist in vielen Bereichen endlich vorangeschritten: Jeder Schüler >10J hat jetzt ein Smartphone und für Mama Merkel ist das Internet endlich kein Neuland mehr.

Arbeitgeber haben erkannt das PCs im 21 Jahrhundert beweglich sind, weshalb Homeoffice auch dort funktionieren kann, wo es bisher unmöglich schien.

Ab März brauchte Niemand mehr ein schlechtes Gewissen haben, weil er den am 02.Januar abgeschlossenen Fitnessstudio Vertrag gar nicht nutzte. Erleichterung in großen Teilen der Bevölkerung.

Trotz geschlossener Fitnesstudios dürften Nike und Co auf ein recht ergiebiges Jahr zurückblicken. Nachdem Pennäler Jogginghosen ja längst zum tragbaren Kleidungsstück erklärt hatten, haben nun auch Angestellte und Studenten die Business-Jogginghose für sich entdeckt.

Die nächste Pisa Studie brauchen wir nicht fürchten, durch Homeschooling konnte ein enormer Bildungsfortschritt erzielt werden: Wir Eltern sind jetzt topfit, von Deutsch über Erdkunde bis Physik. Warum wir Mathe und Französisch damals gehasst haben ist uns auch wieder eingefallen. Aber immerhin être können wir nun, 15 Jahre nach dem Abschluss, sicher konjugieren.
Der Bildungseffekt reichte allerdings noch viel weiter, bis in die Persönlichkeitsentwicklung:
Eltern, die jemals den Lehrerberuf für eine berufliche Veränderung in Erwägung gezogen haben, sind sich jetzt ganz sicher, das sein zu lassen – Homeschooling sei Dank.

Arztpraxen haben neuartige Methoden zur Ablaufplanung installieren können, sodass ein 11.00 Termin tatsächlich auch 11.00 Termin, und kein 13.30 Termin ist.

Regionale Weinbauern und Brauereien konnten in diesem Jahr hervorragend unterstützt werden, es stellte sich ja nie die Frage „Wer fährt?“. Auf der heimischen Terrasse konnte man zur Not einfach liegen bleiben, so stellte sich denn auch vielfach ein latenter Corona-Alkoholismus ein.

Die wichtigste Erkenntnis aber gabs für Frauen, quasi über Nacht: Wir müssen gar nicht arbeiten. Wieso machen wir uns eigentlich so viel Stress, von wegen Vereinbarkeit und so? Relax Mädelsback to 1955 – allerdings mit Spülmaschine. Wir sind zwar nicht Systemrelevant, aber hey wenigstens haben wir es nicht so schwer wie Oma damals.

Je weiter das Jahr voran Schritt, desto hartnäckiger hielt sich das Kopfschütteln. Aber, eine Sache hat meinen Glauben an das Gute dann doch wiederhergestellt: Amerika wird nicht mehr von einer Comicfigur regiert.

Schöne Momente, Erfolge, unerwartete Überraschungen?

Wenn ich mich über einen besch*** Tag ärgere, erinnere ich mich selbst oft an einen Sinnspruch, der mir mal irgendwo im Netz begegnet ist:

War es wirklich ein schlechter Tag, oder waren es nur schlechte fünf Minuten, über die du dich schon den ganzen Tag ärgerst?

Er hilft mir dabei innerlich einen Schritt zurück zu treten und die Dinge zu relativieren.
Ich gebe zu, in Bezug auf 2020 fällt mir das unglaublich schwer.
Natürlich gab es sie, die schönen Momente und auch die Erfolge, aber wir Menschen neigen dazu uns auf das zu konzentrieren, was uns fehlt. Und in diesem Jahr, in dem sooo vieles abgesagt wurde, auf das wir uns gefreut hatten sind die fehlenden Dinge einfach ungleich präsenter. Außerdem sind es ja auch die Menschen, die uns in diesem Jahr fehlen. Jene die wir bereits lieben und schätzen, aber auch die, denen wir hätten begegnen können. Das kann man schlecht relativieren.

In der Erkenntnis wie schön unser normales Leben eigentlich war liegt das Gute diesen Jahres. Der globale Ausnahmezustand zwingt jeden einzelnen von uns zu hinterfragen, welche Teile unserer Normalität wir wirklich wieder zurück möchten und welche Menschen darin Platz finden sollten.
Und als Gesellschaft führt er uns vor Augen, wie schützenswert unser Status quo ist.

Eure




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